Arbeitslebensleistung in ETFs und Sparpläne stecken

Wie und warum investiere ich und welche Risiken akzeptiere ich?

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Es gibt so viele Möglichkeiten die Spargroschen nicht auf ein Sparbuch einzuzahlen und den Zinseszins für sich arbeiten zu lassen. Bei dieser Fragestellung ist die erste lösbare Aufgabe eine grobe Investment-Übersicht zu verschaffen. Finanzprodukte gibt es wie Sand am Meer. Das können weltweit gehandelte Unternehmensanteile sein, deren Werte steigen. Zweitens kann der Kapitalertrag durch Dividendenzahlungen ergänzt werden. Zu den Investmentvehikeln gehören natürlich auch andere mobile Sachwerte, wie Edelmetalle, Schmuck und Kunst. Immobile Sachwerte können auch interessant sein, wenn die eigenen Lebensumstände dazu passen. Damit meine ich beispielsweise Investitionen in Eigentumswohnungen, die eigenen vier Wände und gewerbliche Immobilien.

Bankberater oder Bankvertrieb

Dann steht eine zentrale Frage im Raum. Welche Ziele möchte ich mit meinen Ersparnissen erreichen? Schließlich muss man sich dann noch darüber klar werden, welche Risiken will ich dabei eingehen. Oben angesprochene Aspekte sollte eigentlich jeder sogenannte „Bankberater“ berücksichtigen. Tut er das nicht, suchen Sie sich einen Kompetenteren oder noch besser entwickeln Sie ihre eigenen Vermögensverwaltungskompetenzen.

Wenn Sie einem kompetenten Berater vertrauen, dann sollte dieser auch immer ihren Vermögenshintergrund beleuchten. Erst dann kann eine Empfehlung passend sein bzw. eine Investmentstrategie sinnvoll entwickelt werden.

Inflation

Stets sollte man sich auch darüber im Klaren sein, dass die Kaufkraft die Lebensarbeitsleistung in der Regel ständig schrumpfen lässt. Ein wesentlicher Faktor ist hier der Kaufkraftverlust durch inflationäre Währungspolitik. Mit anderen Worten: Der Inhalt des Kühlschranks oder der Vorratskammer wird immer teurer.

Soweit die ersten Gedanken zum Investieren der eigenen Lebensarbeitsleistung und einer Strategie zur erfolgreichen Vermögensbildung.

Was sind ETFs?

Wie funktionieren ETFs?
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Ein ETF ist ein Wertpapier und ist ein an Börsen gehandelter Fond (englisch exchange-traded fund, ETF). Du erwirbst mit einem ETF Unternehmensanteile. Ähnlich wie beim direkten Kauf einer Unternehmensaktie bzw. eines Unternehmensanteils. Nur investierst Du hier breiter und Du kaufst hier ein Portfolio an Unternehmensanteilen, die zu der ETF-Strategie passen.

Als ich meine ersten Kröten Arbeitslebensleistung gespart hatte und nicht auf ein Tagesgeldkonto einzahlen wollte, weil die Verzinsung zu mickrig war, suchte ich nach relativ risikolosen alternativen Investmentprodukten. Meine Eltern haben mich mit diversen „Weisheiten“ auf meinem Weg zum selbständigen Menschen, Bruttosozialproduktsteigerer und Kapitalertrags-Steuerzahler gefüttert. Welche Weisheiten sind das gewesen?

Welche Faktoren haben meine ETF Auswahl beeinflusst?

  • Nur das Geld in Finanzmarktprodukte stecken, welches Du (längerfristig) nicht benötigst.
  • Niemals Finanzmarktprodukte mit Krediten finanzieren.
  • Nicht alle Eier in einen Korb legen.
  • Kaufe nur Finanzmarktprodukte, deren Funktion du verstehst bzw. kaufe nur Aktien von Unternehmen, deren Geschäftsmodell du verstehst und nachvollziehen kannst.

Diese vier grundlegenden Weisheiten bzw. Ansätze spielen auch heute noch bei meinen Investmentkonzepten eine tragende Rolle. Inzwischen berücksichtige ich noch ein paar weitere fundamentale Überlegungen.

Meine ersten ETF-Käufe

Ende 2013 habe ich selbst erstmals in einen ETF investiert. Ich wollte mit geringem Risiko an den weltweiten Unternehmenserfolgen partizipieren und ich hatte damals etwa ca. 5 TSD € auf der hohen Kante bzw. auf einem Tagesgeldkonto liegen. Auf diese Summe konnte ich 5 bis 10 Jahre verzichten. Aber eine Festgeldkontoanlage (also auf den 5-10 Jahre festgelegtes Geld) mit einer akzeptablen Verzinsung konnte ich nicht finden. Das wäre im Grunde eine Investition ohne Risiko gewesen.

Investment + Ziele + Szenarien

Damals sah die Investmentuniversum noch anders aus:
Es gab noch wenige ETF-Produkte und die dazu passenden Informationen. ETFs waren bei Privatanlegern in Deutschland noch ein recht junges und unbekanntes Produkt. Heute sieht es anders aus und ich suchte mir 2013 einen ETF aus, der folgendes Szenario abbildete:

Weltweit

  • Unternehmensanteile an Unternehmen weltweit ausgenommen China
  • Nachbildung der Wertentwicklung eines Index (S&P 500) und Beteiligung an Unternehmen aus Industrieländern
  • Das Investmentvolumen des ETF sollte im Bereich der top ten liegen

Wasser

Ein zweites Szenario, welches mich reizte, war mit ein wenig mehr Risiko bestückt:

  • Ein technologisches bzw. branchenorientiertes Thema, welches mit der demografischen Entwicklung der Weltbevölkerung korreliert.
    Angenommene These: Je mehr die Weltbevölkerung wächst, um so größer steigt der Bedarf eines lebenswichtigen Gutes
  • Dabei orientierte ich mich an meinen eigenen Grundbedürfnissen
  • Diese Grundbedürfnisse habe ich mit der weltweiten Brille betrachtet
  • Ergebnis der Recherchen brachte mich dann zum Thema: Trinkwasser ist lebenswichtig und jst noch wichtiger als Nahrung. Ohne Trinkwasser kann der Mensch nur wenige Tage überleben.

So entschied ich mich für den ETF „ISHARES GL.WATER UCITS ETF // ISIN: IE00B1TXK627“ mit folgendem Investmentziel:

Die Anteilklasse ist eine Anteilklasse eines Fonds, der durch eine Kombination aus Kapitalwachstum und Erträgen auf das Fondsvermögen die Erzielung einer Rendite aus Ihrer Anlage anstrebt, welche die Rendite des S&P Global Water Index, des Referenzindex des Fonds (Index), widerspiegelt. Die Anteilklasse wird über den Fonds passiv verwaltet und strebt an, soweit dies möglich und machbar ist, in die Eigenkapitalinstrumente (z. B. Aktien) zu investieren, aus denen sich der Index zusammensetzt.

Dadurch, dass ich recht früh dabei war, kann ich heute auf mehr als 10 Jahre Erfahrung mit ETFs in meinen Depots zurückblicken. In dieser Zeit habe ich einige Dinge gelernt über die ich hier schreiben werde.

ETFs funktionieren!

Anfangs hat man womöglich Sorgen. Man kennt die Theorie und gute Argumente, aber ist gespannt, wie es tatsächlich sein wird. Ich kann sagen: Es klappt und das mit überdurchschnittlichen Renditen, die je nach ETF zwischen 5 und 12,5 % per anno liegen.

In den letzten 10 Jahren haben die Kurse sich etwa verdoppelt, so auch der Kurs meiner ersten ETF-Investition. Anfangs ist es ziemlich ungewohnt, dass der Kapitalwert der ETF Depoposition täglich schwankt. Wichtig ist aber Durchhaltevermögen und die langfristige Strategie.

Es fühlt sich immer unsicher an

Es gibt immer einen Grund, warum man denkt, man sollte noch etwas abwarten und „jetzt gerade noch nicht“ investieren. Es gab keinen Zeitpunkt, in dem ich jemals das Gefühl hatte, alles sei gut, ruhig und entspannt in der (Finanz)Welt.

Im Gegenteil: Es gab immer Krisen. Es gab immer Sorgen. Es gab immer Crash-Prognosen.

Einige Prognosen sind eingetreten, der Großteil nicht. Am Anfang mag das überwältigend sein. Aber wenn man über 10 Jahre hunderte Schreckensmeldung gehört hat, warum die Kurse ganz sicher nächste Woche einbrechen, wird man entspannter.

Die Kosten sind gesunken – Cost-Average

Die Finanzindustrie hat einen positiven Trend bei den Kosten. Mittlerweile sind die Investitionen deutlich günstiger und damit auch für kleinere Beträge rentabler geworden. Anlageinstrumente wie ETFs sind immer günstiger geworden und es bleibt mehr Rendite bei uns Anlegern. Insbesondere das Investment via Sparpläne, die regelmäßig ETFs-Anteile kaufen, ist teilweise sogar kostenfrei möglich.

Es gibt zwei mächtige Faktoren, die dir dabei zur Seite stehen:
Der Cost-Average Effekt und die Macht des Zinseszins. Beide Effekte haben gemein, dass wir deren Auswirkungen nicht intuitiv verarbeiten können und zum langfristigen Sparen deswegen eine gewisse Disziplin erforderlich ist. Der Cost-Average Effekt wirkt am besten, wenn Du langfristig investierst und wenn Du es dir leisten kannst, deine Ersparnisse in Krisenzeiten unangetastet zu lassen.

Hinzu kommt der Zinseszinseffekt. In dem Gewinne reinvestiert werden, funktioniert der Effekt bei ETF Sparplänen genauso wie bei einem Zinskonto.

Halten wir fest: Wenn du langfristig orientiert bist, hast du trotz starker Aktienmarktschwankungen zwei mächtige Verbündete auf deiner Seite, den Cost-Average Effekt und den Zinseszins.

Steuern

Ich sag mal so: Steuern, gerade bei ETFs, sind ein eher nerviges Thema. Alle paar Jahre gibt es dort Überarbeitungen (und nicht zwangsweise Verschlechterungen).

Zu Beginn meiner Investments gab es noch steuereinfache und steuerhässliche ETFs. Das ist heute primär Geschichte. Es wurden Dinge harmonisiert, dadurch einige Optimierungsmöglichkeiten geschlossen, insgesamt aber vereinfacht.

ETFs sind eine Einstiegsdroge

Für viele sind ETFs ein Einstieg in die Investmentwelt und wohl der beste Einstieg für Anfänger. Ich habe aber immer wieder festgestellt: Für viele ist sie eine Einstiegsdroge.

Viele bleiben dann dabei und gehen immer tiefer rein. Sie wollen sich damit beschäftigen. Sie machen immer mehr, informieren sich immer mehr. Irgendwann landet man in einem Strudel an Informationen, Anpassungen, Käufen und Verkäufen und man verliert die Orientierung. Dabei entfernt man sich immer mehr von seinem eigentlich simplen Anlagesetup und seinen Konzepten.

ETFs allein sind nicht die Lösung

ETFs sind hervorragend für Privatanleger geeignet. Die wichtigste Erfolgskomponente wird ihnen aber fälschlicherweise zugeschrieben.

Denn wichtig ist vor allem Durchhaltevermögen und langfristiges Investieren. Dafür brauche ich nicht zwangsläufig ETFs. Und, noch wichtiger: Nur weil ich ETFs kaufe, heißt es nicht, dass ich auch langfristig investiere. ETFs allein machen eben noch keinen guten Anleger aus. Dazu gehört mehr.

Die ETF-Branche frisst sich selbst

Ich spreche gern über ETFs und führe Anleger in das Thema ein. Es gibt mittlerweile auch viele andere Geschäftsmodelle, die sich auf ETFs fokussieren und die auf ETFs basieren.

Die Branche will immer neue Schlagzeilen generieren, neue Produkte herausbringen und die nächste Sau durchs Dorf jagen. Aktuell ist die Sau das Thema künstliche Intelligenz (KI)-ETFs . Sie machen das, weil sie ihr Geschäftsmodell und Umsätze ausbauen wollen. Sie machen damit aber auch eigentlich das Gegenteil von dem, was für reine ETF-Anleger sinnvoll wäre.

Die Branche neigt immer mehr dazu, Dinge zu verkomplizieren. Einerseits gibt es heute viel mehr Infos als damals, als ich losgelegt hab. Der Pfad zur eigenen, erfolgreichen Geldanlage wird damit für viele aber immer diffuser und schwieriger relevante Fakten zu finden und zu bewerten.

Die Passive Illusion

Investieren in ETFs wird oft „passives Investieren“ genannt. Ich mache es sicherlich auch. Es ist einfach umzusetzen und viele wissen, was gemeint ist.

Die Wahrheit ist aber:
Nichts ist vollständig passiv. Es werden immer irgendwelche Annahmen getroffen.
In welche Regionen will ich meine Lebensleistung investieren?
In welche Branchen und Technologien soll der ETF abbilden?
Ausschüttend oder thesaurierend?

Und ETFs lassen sich tatsächlich langfristig halten. Einige habe ich seit über 10 Jahren nicht angefasst. In anderen, selteneren Fällen gab es mal Schließungen oder Verschmelzungen. Alles kein Drama, das Geld kann einfach wieder oder wieder reinvestiert werden. Aber hin und wieder gibt es eben doch mal was zu tun. Außerdem überprüfe ich mindestens einmal jährlich meine Thesen, Gründe auf den Prüfstand und ich frage mich warum ich mich für eine ETF-Positionen entschieden habe.

Positiver und negativer externer Einfluss

ETFs haben einen positiven Effekt auf die Finanzmärkte, da sie mehr Sparern einen einfachen Finanzmarktzugang ermöglichen. Es fließen mehr Kapital in ETFs und es entstand ein Kostendruck für den Rest der Finanzmarktindustrie, von dem wir alle profitieren. Konkurrenz belebt das Geschäft.

Auf der anderen Seite wird oft vor zunehmenden Ineffizienzen gewarnt, die entstehen (könnten), wenn zu viel Geld in „passive“ Indexfonds gesteckt wird, statt noch selbst Analysen durchzuführen. Bisher sieht man davon wenig, aber womöglich ändert sich das in Zukunft. Frei nach dem Motto: „to big to fail“.

Panikmache und falsche Prognosen sind der Alltag

Immer wieder gibt es Experten, die ziemlich klug klingende Prognosen publizieren. Immer wieder liegen diese sogenannten Experten trotz ihrer Selbstsicherheit daneben. Das ist ein ständig begleitendes Grundrauschen, welches man getrost ignorieren kann und sollte. Besonders wenn der eigene Horizont nur das Angebot aus der Tube kennt. Es gibt noch mehr Informationsquellen als Youtube und tik tok. 😉

Das Video ist vom ETF-Anbieter blackrock.

Immer wieder wird es Crash-Prognosen geben. Immer wieder gibt es auch Kursgewinnprognosen. Immer wieder finden Leute einen Anlass, sich (und ihre Investmentprodukte) ins Gespräch zu bringen und damit Internetbesucherklicks zu jagen.

Immer wieder wird der Eindruck entdeckt, dass „dieses mal alles anders sei“. Es kracht bald, der große Crash ist nah. Alternativ geht es bald durch die Decke. Es brodelt unter der Oberfläche (was auch immer das heißen mag). Ignorieren sie dieses Grundrauschen einfach und vertrauen sie auf ihre eigene Expertise.

„The four most dangerous words in investing are: ‚this time it’s different.“

Sir John Templeton

Mein Fazit

Es hat sich mehr als gelohnt und lohnt sich noch immer noch. Je nach ETF und Risiko konnte ich Renditen zwischen 5-12 % per anno einfahren. Unser Vermögen ist trotz geschmolzener Kaufkraft gewachsen.

Ganz wichtig: „Nicht zu gierig werden. Gier frisst Hirn!“ 😮

Beim Aufbau des eigenen Vermögens nicht vom Grundrauschen und der Informationsflut irritieren lassen. Klare eigene Thesen und Konzepte verfolgen und diszipliniert verfolgen und Verluste mit Risikomangement begrenzen. Ohne vorher durchdachtes und vorbereitetes Risikomangement hätte ich im Januar 2020 nicht die Buchgewinne einfahren können und ich hätte mir mit meinem Wirecard Investment eine „sehr blutige Nase“ geholt.

Viele Einflussfaktoren und grundlegende Ideen werden verständlich, wenn Du dich mit ETF Investitionen beschäftigst. Wenn Du bisher noch keine ETF Wertpapiere besitzt, würde ich mit einem ETF Sparplan beginnen, der monatlich breit gestreut regional weltweit in Unternehmen investiert. Ganz nach dem Motto „Lege nicht alle Eier in einen Korb“ und investiere nur das Geld, welches Du auf sechsmonatiger Sicht nicht benötigst. Egal ob es 5000, 500 oder nur 50 € monatlich sind.

Und in jedem Fall hoffe ich, dass meine Investment-Gedanken inspirieren und Du unabhängig von Finanzprodukt-Verkäufern eigene Strategien entwickelst und umsetzt.

In diesem Sinne auf stets wachsende Arbeitslebensleistung setzend
hanjo.schriftzug
Loeben

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